Schwindel-Sprechstunde-Hamburg

Spezial-Ambulanz für Schwindel,
Gleichgewichts- und Augenbewegungsstörungen

Neurologie

Fahreignungs –Tests und - Gutachten im Fahrsimulator

In Deutschland gibt es derzeit mehrere Millionen, überwiegend ältere Menschen mit Erkrankungen des Zentral-Nerven-Systems (Parkinson, zentrale Sehstörungen, Schlaganfälle, Epilepsie), Schädel-Hirn-Verletzungen, Herzerkrankungen oder Stoffwechselstörungen, die in den meisten Fällen auf ihr Auto angewiesen sind. Das heisst, Patienten mit motorischen und kognitiven Defiziten müssen komplexe Koordinationsleistungen im Strassenverkehr bewältigen. Sie fahren selber oder müssen gefahren werden, z.B. zu ambulanten Therapien.

Wir haben bisher vorzugsweise ambulante Parkinson Patienten an einem selbst entwickelten Fahr-Simulator in der Neurologie des UKE hinsichtlich ihrer Koordinations-Leistungen getestet und trainiert (Augen-Kopf-Blick-Bewegungen; Hand-Arm- bzw. Bein-Fuss-Bewegungen; Reaktionszeiten und visuelle räumliche Koordination).
Ziel ist es dabei, diese im Alltag für die Patienten äusserst wichtige Funktion in einem Eingangstest zu prüfen und gegebenenfalls wiederzuerlangen bzw. zu festigen. Schwierigkeiten die Aktivitäten des täglichen Lebens zu meistern, sind unter den aktiven Autofahrern wesentlich seltener zu finden als in der Gruppe der ehemaligen Autofahrer (Disability & Rehabilitation, 2010, Vol. 32, 374-378).

Bei der Informationsaufnahme und -Verarbeitung im Strassenverkehr nimmt das visuelle System eine besondere Stellung ein. In einer typischen Untersuchung wurden erfahrene Fahrer und unerfahrene Fahrer bei der Fahrt auf einer Teststrecke bezüglich der Blickbewegungen verglichen. Die Frage war, inwieweit beide Gruppen sich unterschieden in der Betrachtung von komplexen dynamischen visuellen Szenen, und ob ggf. ein Lernprozess der unerfahrenen Gruppe festzustellen war.
Dabei ergab sich, dass optimal gelernte Blickbewegungsstrategien der erfahrenen Fahrer sich signifikant von den Strategien der unerfahrenen Fahrer unterschieden. Durch wiederholte Übung waren letztere aber in der Lage, schon in einem kürzeren Lernprozess ihre Blickbewegungsstrategien erheblich zu verbesseren - also bessere und sicherere Fahrer zu werden (Optimale Blickbewegungsmuster im Automobilsport und Transfermöglichkeit auf ungeübte Fahrer; B. Große-Darrelmann, Hamburg 2009).

W.H.Zangemeister. Zum Problem der Fahrerlaubnis bei Patienten mit homonymer Hemianopsie, in: Fahreignung bei Neurologischen Erkrankungen, ed. Ch.Dettmers und C.Weiller, Stuttgart 2004, pp.260-265

W. H. Zangemeister, A. Becker, H. Hökendorf. Kognitive neuro-visuelle Rehabilitation und Fahrtüchtigkeit.Neurologie & Rehabilitation 2002, 8: 173 - 186

W. H. Zangemeister, A. Becker, H. Hökendorf. Kognitive neuro-visuelle Rehabilitation und Fahrtüchtigkeit II:Fahrsimulator-Untersuchungen vor und nach Training. Neurologie & Rehabilitation 2002, 8: 247 – 255

Die folgenden Abbildungen fassen einen Teil unserer Ergebnisse zusammen (aus: Neural Control of Movement Proceedings 4-2009).